Von der Geschichte des Füllhalters war die Rede
Von der Auswahl der zu Ihrer Handschrift passenden Federspitze. Sie haben etwas über moderne Werkstoffe und ihre Bearbeitung erfahren, über jene wichtige Kleinigkeit, die man Tintenleiter nennt, und auch das Thema zeitgemäßes Design und Schreibgeräte-Ergonomie wurde nicht ausgespart. So haben Sie nach und nach die inneren und äußeren Qualitäten eines guten Füllfederhalters entdeckt und sind zum Kenner geworden.
Doch wenn man sich mit den Themen Schreiben von Hand beschäftigt, kommt offenbar noch mehr ins Spiel als perfekte Technik, wie sie sich z. B. in einer sanft übers Papier gleitenden Feder äußert, die jeder Handbewegung sensibel folgt. Von Füllhaltern geht darüber hinaus eine ganz besondere und schwer beschreibbare Ausstrahlung bzw. Faszination aus. Woher kommt sie? Warum entwickeln viele Menschen zu ihrem Schreibgerät eine so enge Beziehung, die man, ohne zu übertreiben, als eine „Liaison“, ein inniges Verhältnis, bezeichnen kann.
Diese Faszination liegt sicher auch darin begründet, dass ein guter Schreibgerät nicht zu den Dingen gehört, die viel versprechen und wenig halten. Wählt man ihn mit Bedacht und Kennerschaft, ist er das perfekte Werkzeug für die schreibende Hand und den denkenden Kopf. Er ist ein Accessoire, das man entsprechend seinen persönlichen Wert- und Stilvorstellungen wählen kann, was in unserer oft schwer durchschaubaren Konsumwelt durchaus nicht immer selbstverständlich ist. Sicher ist auch: Die vom Füllfederhalter ausgehende Faszination hat etwas mit seiner Ausnahmestellung unter den Schreibsystemen zu tun. Kaum ein anderes kommt dem ausdrucksvollen Schreiben von Hand mehr entgegen.
Eine enge Beziehung von Dauer
Der Füllfederhalter ist das persönlichste und den Schreibgeräten; mit keinem anderen identifizieren sich seine Benutzer stärker als mit ihm; kein anderes wird mehr als Ausdrucksmittel der Persönlichkeit erlebt, wird bisweilen sogar zu einem Teil von ihr. Das Entstehen dieser engen Bindung lässt sich auch damit erklären, dass der Füllfederhalter ein „endloses“ Schreibgerät ist, im Gegensatz zu einem normalen Bleistift oder zu einem billigen Einmalkugelschreiber. Ein Schreibgerät gebraucht man, ohne ihn zu verbrauchen. Er kann seinen Besitzer jahrelang oder auch ein Leben lang begleiten. Dadurch entsteht eine Beziehung, die mit der Dauer der Benutzung nur noch intensiver wird. Der Füllhalter, mit dem jemand seine ersten Liebesbriefe geschrieben hat, oder, ganz prosaisch, seine erste erfolgreiche Bewerbung, wird immer dann zum Träger von Erinnerungen, wenn man ihn wieder zur Hand nimmt – zum Instrument, mit dem man einen Teil seiner Lebensgeschichte geschrieben hat.
Sein oder Schein
Nicht übersehen werden soll ein weiterer Grund für die Ausnahmestellung des Füllhaltes. Er kann durchaus als Prestigeobjekt erlebt werden – sowohl von seinem Besitzer als auch von dessen Umgebung. Doch Prestige kann, jeder weiß es, vordergründig oder eher subtil wirken. Jeder Käufer muss hier für sich entscheiden, ob er sich mit Schreibgeräten identifizieren will, deren Äußeres Prunk und Luxus signalisiert. Oder ob er einfach den Füllfederhalter als sehr persönliches Accessoire auswählt und dabei nur das toleriert, was technisch perfekt ist und in seiner Form den Geist unserer Zeit widerspiegelt.
Charakter und Persönlichkeit
Einem weiteren, vielleicht dem wichtigsten Grund für die von Füllfederhaltern ausgehende Faszination, kommt man auf die Spur, wenn man der Frage nachgeht, warum er gerade im Zeitalter der schlauen Textprogramme und Computer ein glanzvolles Comeback feiert. Hier scheint es so zu sein, dass selbst der persönlichste Computer mit all seinen nützlichen Funktionen fürs Schreiben von vielen Menschen als „fremdes“ Hilfsmittel erlebt wird, als eine Apparatur, die sich zwischen das Entstehen von Gedanken und ihre schriftliche Fixierung auf dem Papier drängt.
Der Fluss der Gedanken vom Kopf über die Hand zur Federspitze des wird oft auch von Computerbenutzern als die natürlichere, die dem Menschen angemessenere Art des Schreibens empfunden. Vor allem dann, wenn es um persönliche, nicht standardisierte Mitteilungen geht. Der Philosoph und Benutzer eines Füllfederhalters Friedrich Nietzsche hat auf die Wechselbeziehung zwischen dem Schreiben von Hand und intellektueller Leistung nachdrücklich und sehr treffend hingewiesen: „Unser Schreibzeug arbeitet mit an unseren Gedanken“. Zahlreiche andere „große“ Schreiber haben sich ähnlich geäußert. Er zeichnet ihre Spur präzise und sensibel aufs Papier. Seine zum jeweiligen Schriftstil wählbare Feder gibt dieser Gedankenspur Charakter und Unverwechselbarkeit.
Im Füllfederhalter findet die Kulturtechnik des Schreibens ihren vollkommenen Ausdruck. Sollte es Sie in Ihrer Passion, mit diesem Schreibgerät zu schreiben, bestärkt haben, hätte es die erste seiner Zielsetzungen erfüllt. Sollte es Sie dem Gedanken näher gebracht haben, ein Füllfederhalter könnte für Sie selbst oder als persönliches Geschenk für eine Ihnen nahe stehende Person das ideale „Schreibzeug“ sein, träfe dies auch auf die zweite seiner Zielsetzungen zu. Bliebe zum Schluss noch, Ihr Augenmerk auf die letzten Seiten dieses Buches zu lenken. Sie geben Ihnen nützliche Tipps für die Pflege Ihres Füllfederhalters und Hinweise für eine schnelle Therapie, wenn einmal der Fall der Fälle eintreten sollte.

