Frühe Füllhalter Versuche
Der Füllfederhalter blieb lange Zeit ein Nachzügler und Sorgenkind der allgemeinen technischen Entwicklung. Man stelle sich vor: Zu Beginn unseres Jahrhunderts, als der Mensch sich schon mit skurrilen Maschinen mühsam in die Lüfte erhob, als er die holprigen Straßen mit knatternden Benzinkutschen unsicher zu machen begann, gab es den Füllfederhalter als allgemein verfügbares Schreibgerät, das Tinte absolut sicher speichern und gleichmäßig von sich geben konnte, noch nicht, obwohl in den vorangegangenen Jahrhunderten zahllose Versuche unternommen worden waren, Schreibfedern mit Tintenvorrat zu entwickeln.
Dabei ist der Wunsch des schreibenden Menschen, die Feder nicht immer nach wenigen Worten wieder ins Tintenfass tauchen zu müssen, sicher schon so alt wie die Erfindung des Schreibens mit Tinte und Feder. Zahllose Versuche wurden unternommen, eine Feder zu konstruieren, die ein größeres Quantum Tinte aufnehmen und so lange bei sich behalten kann, bis man sie braucht. Die Spur dieser Versuche lässt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen, und sie ist markiert durch zahllose Tintenkleckse.
Erste Spuren – Der erste namentlich bekannte Benutzer einer Feder mit Tintenspeicher soll der im 10. Jahrhundert regierende Kalif al Mu’izz gewesen sein. Wie sein Füllfederhalter funktionierte und ob er dies sicher und sauber tat, ist nicht überliefert; lediglich, dass er aus Gold bestand. Einen anderen Hinweis auf frühe Versuche, Tinte in einem Füllfederhalter zu speichern, entdeckte der technische Leiter von Lamy in der Handschriftensammlung der Stadt Eriwan im Kaukasus.
Dort zeigt eine Illustration einen Füllhalter aus dem 10. Jahrhundert mit aufgesetztem Tintenbeutel, dessen Vorrat für tausend Zeichen ausgereicht haben soll. Der Pfarrer Johann Mathesius versuchte es 1538 mit einer tintespeichernden Feder aus Messing, über die nichts Genaueres überliefert ist. Über ein Schreibgerät, das die Augsburger rund 100 Jahre später dem Schwedenkönig Gustaf II. Adolf verehrten, weiß man immerhin, der König habe damit zwei Stunden lang schreiben können. Wenig später lüftete dann Daniel Schwendtner das Geheimnis seiner Bemühungen um eine gefüllte Feder und nannte es „schönes Secret, eine Feder herzustellen, welche Tinte hält und so viel lasset, als man bedürftig. In Frankreich beschäftigte sich im 17. Jahrhundert der Kunsthandwerker Bion mit der Lösung des Füllfederhalterproblems und dann gegen Ende des 18. Jahrhunderts wieder der Leipziger Mechaniker Scheller.
Einer seiner Füllhalter begleitete den bekannten Buchhändler Friedrich Nicolai auf seinen Reisen. Anfang des 19. Jahrhunderts erhielt F. B. Fölsch das erste englische Patent auf einen Füllhalter; 1829 soll das erste deutsche Patent beurkundet worden sein. Die überlieferte Abbildung dieses Gerätes lässt jedoch vermuten, dass die technische Entwicklung nicht weiter fortgeschritten war als in den vorangegangenen Jahrhunderten.

